Azure Virtual Desktop ist eine Form der Virtualisierung von Arbeitsplätzen: Betriebssystem und Anwendungen laufen nicht auf dem Gerät der Mitarbeitenden, sondern auf virtuellen Maschinen in Microsoft Azure. Auf dem Endgerät kommen nur Bild, Ton und Eingaben an. Der Dienst hieß anfangs Windows Virtual Desktop. Eine Besonderheit ist eine Mehrbenutzer-Variante von Windows Enterprise, mit der sich mehrere Personen eine virtuelle Maschine teilen, ohne auf ein Server-Betriebssystem ausweichen zu müssen.
Wie funktioniert Azure Virtual Desktop?
Die Aufgaben sind geteilt. Microsoft betreibt die Steuerungsebene mit Verbindungsvermittlung, Gateway und Webzugang. Das Unternehmen betreibt die Sitzungshosts, also die virtuellen Maschinen im eigenen Azure-Abonnement.
- Hostpools fassen gleichartige Sitzungshosts zusammen. In gepoolten Umgebungen teilen sich mehrere Personen die Hosts, in persönlichen Umgebungen hat jede Person eine eigene Maschine.
- Anwendungsgruppen legen fest, ob jemand einen vollständigen Desktop oder nur einzelne Anwendungen erhält.
- Profile werden meist in Profilcontainern auf einem Netzwerkspeicher abgelegt, damit persönliche Einstellungen auf jedem Host verfügbar sind.
- Skalierung schaltet Hosts außerhalb der Arbeitszeiten ab und bei Bedarf wieder zu, was die Kosten direkt beeinflusst.
Die Anmeldung erfolgt mit dem Konto aus Microsoft Entra ID, wodurch sich Regeln wie Conditional Access anwenden lassen.
Typische Beispiele
- Eine Client-Server-Fachanwendung läuft über das Internet zu langsam und wird nahe an ihrer Datenbank in Azure bereitgestellt.
- Externe Dienstleister erhalten einen kontrollierten Arbeitsplatz, ohne Firmendaten auf ihre eigenen Geräte zu holen.
- Ein alter Terminalserver im Serverraum wird abgelöst.
Worauf Unternehmen achten sollten
- Kosten steuern: Größe der virtuellen Maschinen und Skalierungspläne an die tatsächliche Nutzung anpassen.
- Region und Latenz: Eine Region nahe bei den Nutzenden wählen und den Zugriff auf lokale Ressourcen wie Drucker oder Dateiserver früh planen.
- Anwendungen testen: Nicht jede Fachanwendung ist für den Mehrbenutzerbetrieb geeignet.
- Lizenzierung prüfen: Die Zugriffsrechte auf die Windows-Desktops sind an bestimmte Microsoft-Lizenzen gebunden.
- Hosts pflegen: Sitzungshosts brauchen Updates und Schutz wie jeder andere Server, siehe Patch-Management.
Abgrenzung
Windows 365 stellt ebenfalls Desktops aus der Cloud bereit, aber als fertigen Cloud-PC je Person, den Microsoft weitgehend verwaltet. Azure Virtual Desktop ist flexibler, die genutzten Azure-Ressourcen werden nach Verbrauch abgerechnet, und es verlangt mehr eigene Betreuung.
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