Klassische KI-Codevervollständigung schlägt die nächste Zeile vor. Claude Code geht weiter: Entwicklerinnen und Entwickler beschreiben eine Aufgabe in natürlicher Sprache, und das Werkzeug plant die Umsetzung, liest die betroffenen Dateien, ändert Code über mehrere Dateien hinweg, startet Tests und prüft das Ergebnis. Damit ist Claude Code ein KI-Agent für die Softwareentwicklung, oft auch Coding-Agent oder KI-Programmierassistent genannt. Im Hintergrund arbeiten die Sprachmodelle von Claude.
Laut Anthropic läuft Claude Code im Terminal, als Erweiterung für VS Code und JetBrains-Entwicklungsumgebungen, als Desktop-App und im Browser. Die meisten Varianten setzen ein Claude-Abonnement oder ein Konto in der Anthropic Console voraus.
Wie funktioniert Claude Code?
Claude Code arbeitet in einer Schleife aus Lesen, Planen, Handeln und Prüfen. Typische Fähigkeiten laut Dokumentation:
- Codebasis verstehen: Dateien lesen, Zusammenhänge zwischen Modulen erkennen und Fehlerursachen über mehrere Dateien verfolgen.
- Ändern und ausführen: Dateien bearbeiten, Befehle ausführen, Tests starten und Fehler beheben.
- Mit Git arbeiten: Änderungen vormerken, Commit-Nachrichten schreiben, Branches anlegen und Pull Requests eröffnen.
- Projektregeln lesen: Eine Datei namens
CLAUDE.mdim Projekt enthält Vorgaben wie Programmierstandards, Architekturentscheidungen oder Prüflisten. Claude Code liest sie zu Beginn jeder Sitzung. - Werkzeuge anbinden: Über das Model Context Protocol greift Claude Code etwa auf Ticketsysteme oder Dokumentation zu.
- Automatisieren: Hooks führen vor oder nach Aktionen eigene Befehle aus, etwa eine Formatierung nach jeder Dateiänderung. Im Skriptmodus lässt sich Claude Code in Pipelines einsetzen, zum Beispiel für Reviews in GitHub Actions.
Berechtigungen und Sicherheitsmodell
Ein Werkzeug, das Befehle ausführt, braucht klare Grenzen. Anthropic beschreibt dafür mehrere Ebenen:
- Berechtigungsmodi: Im manuellen Modus startet Claude Code nur mit Leserechten und fragt nach, bevor es Dateien ändert oder Befehle ausführt. Im automatischen Modus prüft ein separates Klassifizierungsmodell die Aktionen und blockiert jene, die es als unsicher einstuft. Eigene Erlaubnis- und Verbotsregeln gelten in beiden Fällen.
- Sandbox: Shell-Befehle lassen sich mit Datei- und Netzwerkisolation ausführen.
- Arbeitsverzeichnis: Im manuellen Modus fragt Claude Code nach, bevor seine Dateiwerkzeuge außerhalb des Projektordners lesen oder schreiben.
- Vertrauensabfrage: Beim ersten Start in einem unbekannten Ordner und für projektbezogene MCP-Server erscheint eine Bestätigung.
- Netzwerkbefehle: Befehle, die Inhalte aus dem Internet laden, werden standardmäßig nicht automatisch erlaubt.
Anthropic weist ausdrücklich darauf hin, dass Nutzende vorgeschlagenen Code und Befehle vor der Freigabe selbst prüfen müssen und dass kein System gegen alle Angriffe immun ist. MCP-Server werden von Anthropic nicht sicherheitsgeprüft.
Typische Einsatzbeispiele
- Tests für bisher ungetesteten Code schreiben, ausführen und Fehler beheben
- Abhängigkeiten aktualisieren, etwa mit Composer in PHP-Projekten, und die Folgen im Code nachziehen
- Gewachsenen Code erklären und schrittweise modernisieren, zum Beispiel vor einem Upgrade wegen PHP End of Life
- Merge-Konflikte auflösen und Versionshinweise entwerfen
- Pull Requests automatisch vorab prüfen lassen, bevor ein Mensch das Code Review übernimmt
Worauf Unternehmen achten sollten
- Vertrag und Daten: Für Firmencode kommerzielle Pläne oder die API nutzen. Anthropic verwendet Ein- und Ausgaben kommerzieller Produkte laut eigener Angabe standardmäßig nicht für das Training.
- Keine Geheimnisse im Projekt: Zugangsdaten gehören nicht ins Repository und nicht in Prompts. Was das Werkzeug lesen kann, kann in den Kontext des Modells gelangen.
- Isolation: Für sensible Projekte Sandbox oder Entwicklungscontainer verwenden und Berechtigungen projektbezogen festlegen. Tokens und Schlüssel nach dem Prinzip Least Privilege vergeben.
- Vier-Augen-Prinzip: Änderungen laufen über Branch, Pull Request, automatische Prüfungen in der CI/CD-Pipeline und eine menschliche Freigabe, nie direkt in die Produktion.
- Manipulation einplanen: Issues, README-Dateien oder Webseiten können versteckte Anweisungen enthalten, siehe Prompt Injection. Unbekannte Inhalte nicht ungeprüft an das Werkzeug weiterreichen.
- Zentral steuern: Verwaltete Einstellungen für die ganze Organisation festlegen und die Nutzung überwachen, etwa über die von Anthropic unterstützten OpenTelemetry-Metriken.
Abgrenzung
Ein Chat-Assistent beantwortet Fragen zu Code, Claude Code arbeitet dagegen direkt im Projekt und führt Schritte aus. Gegenüber einer reinen Autovervollständigung in der Entwicklungsumgebung übernimmt es ganze Aufgaben. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt in beiden Fällen beim Entwicklungsteam.
Bezug zu TOMORIS
Wie TOMORIS eigene Software mit isolierten Arbeitskopien, Tests und prüfbaren Pull Requests entwickelt, zeigt die interne Plattform Werft. Für Ihr eigenes Vorhaben finden Sie den Einstieg unter Individuelle Software.