Least Privilege gehört zu den ältesten und zugleich wirksamsten Grundsätzen der Informationssicherheit. Die Idee: Je weniger Rechte ein Konto hat, desto weniger Schaden kann entstehen, wenn es missbraucht, übernommen oder versehentlich falsch bedient wird. Das Prinzip ist ein zentraler Bestandteil von Zero Trust und spielt auch in Managementsystemen nach ISO/IEC 27001 eine wichtige Rolle bei der Zugriffssteuerung.
In der Praxis wachsen Berechtigungen oft über die Jahre: Mitarbeitende wechseln die Abteilung und behalten alte Zugriffe, Projektordner bleiben für alle offen, Benutzerkonten haben lokale Administratorrechte, weil eine Software das einmal verlangt hat. Least Privilege wirkt diesem schleichenden Zuwachs entgegen.
Wie wird Least Privilege umgesetzt?
Das Prinzip greift auf mehreren Ebenen:
- Rollenbasierte Rechte: Berechtigungen werden an Rollen wie Buchhaltung oder Vertrieb geknüpft, nicht individuell vergeben.
- Getrennte Konten: Administratorinnen und Administratoren nutzen für Verwaltungsaufgaben ein eigenes Konto und arbeiten im Alltag mit einem normalen Benutzerkonto.
- Zeitlich begrenzte Rechte: Erhöhte Rechte werden nur bei Bedarf und befristet vergeben, oft als Just-in-Time-Zugriff bezeichnet.
- Dienstkonten: Auch Programme, Schnittstellen und Automatisierungen erhalten nur die Rechte, die sie wirklich brauchen.
- Regelmäßige Überprüfung: Berechtigungen werden in festen Abständen kontrolliert und bereinigt.
Typische Beispiele
- Mitarbeitende arbeiten ohne lokale Administratorrechte, Software wird zentral verteilt.
- Praktikantinnen und Praktikanten erhalten Zugriff auf den Projektordner ihres Teams, nicht auf das gesamte Laufwerk.
- Eine App, die Kalenderdaten auswertet, bekommt keine Berechtigung zum Lesen aller Postfächer.
- Beim Wechsel in eine andere Abteilung werden alte Zugriffe entzogen, siehe IT-Onboarding und -Offboarding.
Worauf Unternehmen achten sollten
- Mit den größten Risiken beginnen: Administratorkonten, Fernzugänge und besonders sensible Daten.
- Rechte über Gruppen und Rollen vergeben, nicht direkt an einzelne Personen.
- Regelmäßige Rezertifizierungen einplanen, bei denen Führungskräfte die Rechte ihres Teams bestätigen.
- Hochprivilegierte Zugänge zusätzlich mit Privileged Access Management absichern.
- Auf Benutzerfreundlichkeit achten, damit Mitarbeitende keine Umwege suchen.
Abgrenzung
Eng verwandt ist das Need-to-know-Prinzip: Es beschränkt den Zugang zu Informationen auf jene, die sie für ihre Aufgabe kennen müssen. Least Privilege ist breiter gefasst und betrifft alle Rechte, auch technische wie das Installieren von Software, das Verwalten von Konten oder das Ändern von Konfigurationen.
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